A puro chanfle
Draußen spielen die Kinder Ball. Der Hund bellt, ohne den Leguan zu bemerken, der ein paar Schritte entfernt an ihm vorüber kriecht. Geblendet von der tropischen Hitze schließe ich die Augen, kämpfe gegen den Schlaf, versuche, während mich der rhythmische Aufprall des Fußballs einlullt, die letzten Minuten des Spiels Chivas gegen Pumas auf der Mattscheibe zu verfolgen. Doch die trägen spätnachmittäglichen Geräusche verschmelzen in meinem Kopf zu einem seltsamen Bildermix: Ich träume von Toren und Gesang, Erinnerungskörner gleiten wie rotierende Fußbälle über den Horizont.
Javier Alvarez (geb. 1956)
In den Worten des Komponisten John Adams „lässt Javier Alvarez’ Musik Einflüsse von Volkskulturen erkennen, die über die Grenzen unserer eigenen Zeit und Welt hinausgehen“. Alvarez ist der wohl international bekannteste mexikanische Komponist seiner Generation, der insbesondere für seine elektroakustische Musik geschätzt wird; zahlreiche instrumentale Werke aus seinem umfangreichen Oeuvre vermählen jedoch die Komplexität von Computermusik auch mit verschiedenen traditionellen Instrumenten und Einflüssen aus aller Welt.
Der in Mexiko geborene Alvarez nahm zunächst Unterricht in Klarinette und Komposition, bevor er 1980 in die Vereinigten Staaten und anschließend nach Großbritannien ging, wo er am Royal College of Music und an der City University in London studierte. Zu seinen bekanntesten elektroakustischen Werken zählt das Stück Así el acero (1987), eine faszinierende Mischung aus einer karibischen Steelpan und elektronisch generierten Rhythmusmustern. Mannam (1992), das 1993 den Prix Ars Electronica gewann, bezieht seine Inspiration von der anderen Seite der Erdkugel, etwa der traditionellen koreanischen Zither, der Kayagum. In diesem Stück verschmilzt und konterkariert Alvarez Elemente der koreanischen Musik mit Melodien und Spieltechniken aus der mexikanischen Volksmusik für Harfe.
In einigen seiner Stücke greift Alvarez Klangelemente aus der lateinamerikanischen Musik wie etwa dem Mambo auf. So ist Mambo a la Braque (1991) eine elektroakustische Collage mit musikalischen Segmenten aus Caballo Negro, einem Mambo aus der Feder des kubanischen Komponisten Dámaso Perez Prado. Mit Papalotl (1987), einer Tokkata für Klavier und elektroakustische Klänge, geht Alvarez noch einen Schritt weiter. In diesem Stück verweist er auf die Tanzwelt im weiteren Sinn, indem er eine Vielzahl von Rhythmusmustern in ein sorgfältig synchronisiertes Duett von Pianist und Tape einbringt. Das Werk brachte seinem Schöpfer bereits im Entstehungsjahr den französischen ICEM-Preis 1987, eine Auszeichnung auf dem Internationalen Festival für Experimentelle Musik in Bourges sowie den österreichischen Prix Ars Electronica ein.
1993 erhielt Alvarez ein Forschungsstipendium der mexikanischen Stiftung für Kunst und Kultur, das er bis 1999 innehatte. Weitere Glanzpunkte in der Karriere des Mendelssohn-Stipendiaten sind der Lionel Robbins Award sowie das Gemini-Forschungsstipendium. Heute lebt Alvarez in England, wo er als freischaffender Komponist und Förderer künstlerischer Projekte arbeitet. Er ist Vorsitzender von Sonic Arts Network und künstlerischer Leiter der Society for the Promotion of New Music, lehrt Komposition und Computermusiktechnologie am Royal College of Music, der Guildhall School of Music sowie der Musikakademie Malmö in Schweden. Alvarez’ Werke wurden unter anderem von Lontano, der Los Angeles Philharmonic New Music Group, von Music Projects London, L’Itinéraire, der London Sinfonietta und dem Chicago Symphony New Music Ensemble aufgeführt. Zurzeit arbeitet der Künstler an verschiedenen Projekten; so komponiert er unter anderem für das Cuarteto Latinoamericano, für das belgische Ictus Ensemble sowie für das Orchestre National de France. Außerdem ist er Leiter des Fachbereichs Musik an der Escuela Superior de Artes de Yucatán in Mexiko.
©Beth Levy 2005
Draußen spielen die Kinder Ball. Der Hund bellt, ohne den Leguan zu bemerken, der ein paar Schritte entfernt an ihm vorüber kriecht. Geblendet von der tropischen Hitze schließe ich die Augen, kämpfe gegen den Schlaf, versuche, während mich der rhythmische Aufprall des Fußballs einlullt, die letzten Minuten des Spiels Chivas gegen Pumas auf der Mattscheibe zu verfolgen. Doch die trägen spätnachmittäglichen Geräusche verschmelzen in meinem Kopf zu einem seltsamen Bildermix: Ich träume von Toren und Gesang, Erinnerungskörner gleiten wie rotierende Fußbälle über den Horizont.
Javier Alvarez (geb. 1956)
In den Worten des Komponisten John Adams „lässt Javier Alvarez’ Musik Einflüsse von Volkskulturen erkennen, die über die Grenzen unserer eigenen Zeit und Welt hinausgehen“. Alvarez ist der wohl international bekannteste mexikanische Komponist seiner Generation, der insbesondere für seine elektroakustische Musik geschätzt wird; zahlreiche instrumentale Werke aus seinem umfangreichen Oeuvre vermählen jedoch die Komplexität von Computermusik auch mit verschiedenen traditionellen Instrumenten und Einflüssen aus aller Welt.
Der in Mexiko geborene Alvarez nahm zunächst Unterricht in Klarinette und Komposition, bevor er 1980 in die Vereinigten Staaten und anschließend nach Großbritannien ging, wo er am Royal College of Music und an der City University in London studierte. Zu seinen bekanntesten elektroakustischen Werken zählt das Stück Así el acero (1987), eine faszinierende Mischung aus einer karibischen Steelpan und elektronisch generierten Rhythmusmustern. Mannam (1992), das 1993 den Prix Ars Electronica gewann, bezieht seine Inspiration von der anderen Seite der Erdkugel, etwa der traditionellen koreanischen Zither, der Kayagum. In diesem Stück verschmilzt und konterkariert Alvarez Elemente der koreanischen Musik mit Melodien und Spieltechniken aus der mexikanischen Volksmusik für Harfe.
In einigen seiner Stücke greift Alvarez Klangelemente aus der lateinamerikanischen Musik wie etwa dem Mambo auf. So ist Mambo a la Braque (1991) eine elektroakustische Collage mit musikalischen Segmenten aus Caballo Negro, einem Mambo aus der Feder des kubanischen Komponisten Dámaso Perez Prado. Mit Papalotl (1987), einer Tokkata für Klavier und elektroakustische Klänge, geht Alvarez noch einen Schritt weiter. In diesem Stück verweist er auf die Tanzwelt im weiteren Sinn, indem er eine Vielzahl von Rhythmusmustern in ein sorgfältig synchronisiertes Duett von Pianist und Tape einbringt. Das Werk brachte seinem Schöpfer bereits im Entstehungsjahr den französischen ICEM-Preis 1987, eine Auszeichnung auf dem Internationalen Festival für Experimentelle Musik in Bourges sowie den österreichischen Prix Ars Electronica ein.
1993 erhielt Alvarez ein Forschungsstipendium der mexikanischen Stiftung für Kunst und Kultur, das er bis 1999 innehatte. Weitere Glanzpunkte in der Karriere des Mendelssohn-Stipendiaten sind der Lionel Robbins Award sowie das Gemini-Forschungsstipendium. Heute lebt Alvarez in England, wo er als freischaffender Komponist und Förderer künstlerischer Projekte arbeitet. Er ist Vorsitzender von Sonic Arts Network und künstlerischer Leiter der Society for the Promotion of New Music, lehrt Komposition und Computermusiktechnologie am Royal College of Music, der Guildhall School of Music sowie der Musikakademie Malmö in Schweden. Alvarez’ Werke wurden unter anderem von Lontano, der Los Angeles Philharmonic New Music Group, von Music Projects London, L’Itinéraire, der London Sinfonietta und dem Chicago Symphony New Music Ensemble aufgeführt. Zurzeit arbeitet der Künstler an verschiedenen Projekten; so komponiert er unter anderem für das Cuarteto Latinoamericano, für das belgische Ictus Ensemble sowie für das Orchestre National de France. Außerdem ist er Leiter des Fachbereichs Musik an der Escuela Superior de Artes de Yucatán in Mexiko.
©Beth Levy 2005
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