Suk-Jun Kim/Korea

Igeori, Jeogeori, Gakgeori

Als Kinder spielten wir in Korea viele Spiele, bei denen wir Füße und Beine gebrauchten. Eins davon hieß Igeori, Jeogeori, Gakgeori. Bei diesem Spiel setzten sich die Kinder in einem Raum zusammen und verschränkten alle Beine ineinander. Das Kind, das mit der Spielführung an der Reihe war, begann die Beine auszuzählen und sang dazu ein Lied; das Kind, dessen Bein am Ende des Liedes ausgezählt wurde, durfte sein Bein aus dem Beingewirr herausziehen. Das Spiel ging solange, bis nur noch ein Bein übrig war.
Wenn ich an das Spiel und die Lieder, die wir dazu sangen, zurückdenke, merke ich, welche Bereicherung diese witzigen, ulkigen, lebendigen und geselligen Kinderlieder für unsere traditionellen koreanischen Spiele bedeuteten. Vor allem das Igeori, Jeogeori, Gakgeori-Lied erinnert mich an die Zusammengehörigkeit und das Spielerische, das dem Fußballsport eigen ist, in dem ebenfalls Füße und Beine wichtig sind.
Ich entsinne mich noch an eine Szene aus Bernardo Bertoluccis 1900, in der anlässlich eines Festes ein Schwein geschlachtet wird und die Kinder mit der Schweinsblase Fußball spielen. Solche Szenen spielten sich nicht nur in italienischen Kleinstädten ab, sondern auch in Korea spielten die Kinder mit Schweinsblasen Fußball. Den Ball zu treten und an jemand anderen abzugeben erfüllt offensichtlich das grundlegende Bedürfnis der Menschen, zu spielen.
Ich widme dieses Stück dem Spielerischen, der Lebendigkeit, der Zusammengehörigkeit und dem Spaß, den Fußball bringen kann.
Ich bedanke mich bei Hanna Noh, einer koreanischen Grundschullehrerin, die zahlreiche koreanische Volkslieder gesammelt hat, dafür, dass ich ihren Musikfundus in meiner Komposition nutzen durfte, und bei Changkwan Jung dafür, mich mit Frau Noh bekannt gemacht zu haben.

Suk-Jun Kim hat Theologie an der südkoreanischen Yonsei-Universität und Aufnahmetechnik am Ontario Institute of Audio and Recording Technology, OIART, studiert. Ein Studium der Musiktechnologie an der Northwestern University schloss er mit einem Master ab. Zurzeit ist er Doctoral Fellow an der University of Florida bei Paul Koonce. Er erhielt Preise und Auszeichnungen beim zweijährlichen akusmatischen Kompositionswettbewerb Métamorphoses in Belgien, bei der ASCAP/SEAMUS Student Commission Competition in den USA, beim Internationalen Wettbewerb für Elektroakustische Musik und Klangkunst von Bourges in Frankreich, bei Musica Viva in Portugal und Musica Nova, Tschechien.

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