Air Waves on The Fields
In diesem Projekt versuche ich, die Interaktionen menschlicher Stimmen zu untersuchen, die über Fußballspiele berichten. Im Medium Radio wird der Hörfunkreporter zum zentralen Akteur, da wir das Spiel nicht sehen, sondern nur seine Beschreibung der einzelnen Spielereignisse hören können.
Die Fußballkommentatoren werden sozusagen zu Akteuren eines neuen Spiels, in dem sie selber gegeneinander antreten (doch nicht etwa Mann gegen Mann, sondern jeder gegen jeden). Besonders interessant daran ist, dass sie aus verschiedenen Kulturen und Epochen ausgewählt werden können, da Fußballbegegnungen schon seit den 1920er-Jahren im Radio übertragen werden. Ebenso wie die Fußballstile sich seither verändert haben, haben sich auch die Stimmrhythmen und -techniken gewandelt. Auch die verschiedenen Sprachen und Kulturgepflogenheiten bergen reichlich Potenzial, wobei das Werk allerdings logischerweise von Tondokumenten aus den mir zugänglichen mexikanischen Rundfunkarchiven geprägt sein wird, sofern möglich aber zudem auch von anderen, ausländischen Radiosendern und aus dem Internet. Auch Fernsehbeiträge sind grundsätzlich nicht ausgeschlossen, doch sind die Stimmleistungen der TV-Kommentatoren bei weitem nicht so packend, weil sie dem Publikum nur etwas vermitteln, was es bereits sieht.
Weitere Elemente, die als Teil des Stücks in Betracht kämen, sind Radiowerbespots; diese Klangereignisse sind zum festen Bestandteil von Radio-Fußballübertragungen geworden, wobei sie meiner Meinung nach eine negative Rolle in unserer Wahrnehmung spielen. (Konsumpropaganda in Sportsendungen ist mir verhasst.) Dennoch könnten sie in diesem Werk zu etwas Interessantem verarbeitet und ein wichtiger Bestandteil der neuen Hörerfahrung werden. Auch Schiedsrichterpfiffe und die Geräusche der Zuschauermassen im Stadion werden in dieses Klangwerk miteingehen, und zwar in Reaktion auf die Interaktion der verschiedenen Sprecher. Von der Struktur her schließlich lässt sich mein Stück wie ein Fußballspiel aufbauen, das eine Pause zwischen der ersten und der zweiten Halbzeit hat. Natürlich wird es vom Rhythmus her anders und viel kürzer sein als ein echtes Spiel.
Manuel Rocha Iturbide, 1963 in Mexico City geboren, studierte zunächst Komposition am Nationalkonservatorium der Universidad de México, dann elektronische Musik und Komposition auf MFA (1991) am Mills College, Oakland, Kalifornien, bei Alvin Curran, Anthony Braxton, David Rosenboom und Larry Polansky. In Paris belegte er einen einjährigen Kompositions- und Computermusikkurs am IRCAM bei Bryan Fernyhough (1991-1992). 1992 begann er eine Doktorarbeit zum Thema Granularsynthesetechniken bei Horacio Vaggione an der Université Paris 8. 1993 gewann er ein Stipendium der mexikanischen Kulturstiftung zur Komposition von drei elektroakustischen Stücken. In Frankreich realisierte er Werke in den Studios von UPIC, GRM und IRCAM. Als Forscher arbeitete er im IRCAM an der Entwicklung von GiST (1994-95), anschließend lehrte er an der Université Paris 8 Synthese und Computerprogrammierung (1995-96). 1996 und 1997 wurde er beim Internationalem Wettbewerb für Elektronische Musik in Bourges (Frankreich) in den Kategorien Programm-Tonbandmusik sowie Tonband und Instrumente nominiert und gewann ebenfalls 1996 und 1997 den zweiten Preis im Internationalen Wettbewerb für Elektroakustische Musik Luigi Russolo in den Kategorien Komposition für Instrumente und Elektronik sowie Tonband solo. Zu verschiedenen internationalen Veranstaltungen (The Tuning of the World, 1993; The Biennial of Art and Technology, Connecticut, 1994; ICMC 1995, 1996, 1997) und Elektronikmusikfestivals (u.a. ABSOLUTE MUSIK, Österreich, Experimental Intermedia, USA) wurde er eingeladen, seine Arbeit vorzustellen. Das Festival Internacional Cervantino und andere Veranstalter erteilten ihm Werkaufträge, ebenso erhielt er Nachwuchsstipendien, etwa vom mexikanischen Kultur- und Kunstfonds FONCA und vom Banff Center for the Arts. Neben Kompositionsarbeiten realisiert er Soundinstallationen, Soundskulpturen und Intermedia Art, die bei führenden Galerien, Museen und Veranstaltungen im In- und Ausland präsentiert werden, darunter Artists Space in New York, Galerie Crousel in Paris, Sidney-Biennale 1998, ARCO-Kunstmesse in Madrid, Galerie SURGE in Tokio, Kyoto Art Center in Kyoto, und Avatar in Quebec, Kanada. Seine Kompositionen werden in Amerika, Europa und Asien gespielt. Rocha hielt sich 2000 sieben Monate mit einer Japan Foundation Fellowship in Japan auf, komponierte neue Stücke und arbeitete an Soundinstallationen. 2002 war er zwei Monate lang Gastkünstler mit Stipendium in Caracas, Venezuela, wo er ein Radiokunstwerk komponierte. Zurzeit lebt Rocha in Mexico City und arbeitet als Komponist und Klangkünstler.
In diesem Projekt versuche ich, die Interaktionen menschlicher Stimmen zu untersuchen, die über Fußballspiele berichten. Im Medium Radio wird der Hörfunkreporter zum zentralen Akteur, da wir das Spiel nicht sehen, sondern nur seine Beschreibung der einzelnen Spielereignisse hören können.
Die Fußballkommentatoren werden sozusagen zu Akteuren eines neuen Spiels, in dem sie selber gegeneinander antreten (doch nicht etwa Mann gegen Mann, sondern jeder gegen jeden). Besonders interessant daran ist, dass sie aus verschiedenen Kulturen und Epochen ausgewählt werden können, da Fußballbegegnungen schon seit den 1920er-Jahren im Radio übertragen werden. Ebenso wie die Fußballstile sich seither verändert haben, haben sich auch die Stimmrhythmen und -techniken gewandelt. Auch die verschiedenen Sprachen und Kulturgepflogenheiten bergen reichlich Potenzial, wobei das Werk allerdings logischerweise von Tondokumenten aus den mir zugänglichen mexikanischen Rundfunkarchiven geprägt sein wird, sofern möglich aber zudem auch von anderen, ausländischen Radiosendern und aus dem Internet. Auch Fernsehbeiträge sind grundsätzlich nicht ausgeschlossen, doch sind die Stimmleistungen der TV-Kommentatoren bei weitem nicht so packend, weil sie dem Publikum nur etwas vermitteln, was es bereits sieht.
Weitere Elemente, die als Teil des Stücks in Betracht kämen, sind Radiowerbespots; diese Klangereignisse sind zum festen Bestandteil von Radio-Fußballübertragungen geworden, wobei sie meiner Meinung nach eine negative Rolle in unserer Wahrnehmung spielen. (Konsumpropaganda in Sportsendungen ist mir verhasst.) Dennoch könnten sie in diesem Werk zu etwas Interessantem verarbeitet und ein wichtiger Bestandteil der neuen Hörerfahrung werden. Auch Schiedsrichterpfiffe und die Geräusche der Zuschauermassen im Stadion werden in dieses Klangwerk miteingehen, und zwar in Reaktion auf die Interaktion der verschiedenen Sprecher. Von der Struktur her schließlich lässt sich mein Stück wie ein Fußballspiel aufbauen, das eine Pause zwischen der ersten und der zweiten Halbzeit hat. Natürlich wird es vom Rhythmus her anders und viel kürzer sein als ein echtes Spiel.
Manuel Rocha Iturbide, 1963 in Mexico City geboren, studierte zunächst Komposition am Nationalkonservatorium der Universidad de México, dann elektronische Musik und Komposition auf MFA (1991) am Mills College, Oakland, Kalifornien, bei Alvin Curran, Anthony Braxton, David Rosenboom und Larry Polansky. In Paris belegte er einen einjährigen Kompositions- und Computermusikkurs am IRCAM bei Bryan Fernyhough (1991-1992). 1992 begann er eine Doktorarbeit zum Thema Granularsynthesetechniken bei Horacio Vaggione an der Université Paris 8. 1993 gewann er ein Stipendium der mexikanischen Kulturstiftung zur Komposition von drei elektroakustischen Stücken. In Frankreich realisierte er Werke in den Studios von UPIC, GRM und IRCAM. Als Forscher arbeitete er im IRCAM an der Entwicklung von GiST (1994-95), anschließend lehrte er an der Université Paris 8 Synthese und Computerprogrammierung (1995-96). 1996 und 1997 wurde er beim Internationalem Wettbewerb für Elektronische Musik in Bourges (Frankreich) in den Kategorien Programm-Tonbandmusik sowie Tonband und Instrumente nominiert und gewann ebenfalls 1996 und 1997 den zweiten Preis im Internationalen Wettbewerb für Elektroakustische Musik Luigi Russolo in den Kategorien Komposition für Instrumente und Elektronik sowie Tonband solo. Zu verschiedenen internationalen Veranstaltungen (The Tuning of the World, 1993; The Biennial of Art and Technology, Connecticut, 1994; ICMC 1995, 1996, 1997) und Elektronikmusikfestivals (u.a. ABSOLUTE MUSIK, Österreich, Experimental Intermedia, USA) wurde er eingeladen, seine Arbeit vorzustellen. Das Festival Internacional Cervantino und andere Veranstalter erteilten ihm Werkaufträge, ebenso erhielt er Nachwuchsstipendien, etwa vom mexikanischen Kultur- und Kunstfonds FONCA und vom Banff Center for the Arts. Neben Kompositionsarbeiten realisiert er Soundinstallationen, Soundskulpturen und Intermedia Art, die bei führenden Galerien, Museen und Veranstaltungen im In- und Ausland präsentiert werden, darunter Artists Space in New York, Galerie Crousel in Paris, Sidney-Biennale 1998, ARCO-Kunstmesse in Madrid, Galerie SURGE in Tokio, Kyoto Art Center in Kyoto, und Avatar in Quebec, Kanada. Seine Kompositionen werden in Amerika, Europa und Asien gespielt. Rocha hielt sich 2000 sieben Monate mit einer Japan Foundation Fellowship in Japan auf, komponierte neue Stücke und arbeitete an Soundinstallationen. 2002 war er zwei Monate lang Gastkünstler mit Stipendium in Caracas, Venezuela, wo er ein Radiokunstwerk komponierte. Zurzeit lebt Rocha in Mexico City und arbeitet als Komponist und Klangkünstler.
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